Valsanzibio: Das kleine Versailles der Euganeischen Hügel
In Galzignano Terme, wo die Ebene auf die ersten sanften Hänge der Euganeischen Hügel trifft, liegt ein Ort, der wie aus dem 17. Jahrhundert entrückt erscheint: die Villa Barbarigo Pizzoni Ardemani, bekannt als das „kleine Versailles“. Einst erreichte man sie auf dem Wasserweg von Venedig aus über die Kanäle des Sant’Eusebio-Tals. Noch heute empfängt sie ihre Besucher mit derselben Erhabenheit – einer vollkommenen Harmonie zwischen venezianischer Adelsarchitektur und einer mit barocker Präzision gestalteten Landschaft.
Ein in Stein gemeißeltes Gelübde
Die Schönheit, die Sie heute bewundern, entstand aus einem dramatischen Moment. Im Jahr 1631 suchte die Familie Barbarigo hier Zuflucht vor der Pest, die Venedig verwüstete. Zuane Francesco Barbarigo legte ein feierliches Gelübde ab: Sollten seine Kinder überleben, würde er dieses Land in eine Hymne an das Leben und die Dankbarkeit verwandeln. Sein Sohn Gregorio – heute der heilige Gregor Barbarigo – erfüllte dieses Versprechen und beauftragte den päpstlichen Architekten und Hydraulikingenieur Luigi Bernini mit der Gestaltung.
Der Beginn des Weges: Das Dianaportal
Ihr Weg beginnt am Pavillon der Diana, dem historischen Wassereingang. Vor dem imposanten Portal aus istrischem Stein, geschmückt mit Skulpturen von Enrico Merengo, spüren Sie unmittelbar den Übergang in eine andere Dimension. Diana-Luna, Göttin der Wandlung, blickt von oben herab, während Sie die Schwelle überschreiten. Hier beginnt der „Weg der Läuterung“ – eine symbolische Route, die Sie Schritt für Schritt zu neuer innerer Klarheit führt.

In der Stille jahrhundertealter Buchsbäume
Beim Spaziergang entlang des Cardo und Decumanus tauchen Sie in eine weltweit einzigartige Gartenarchitektur ein. Die Buchsbaumhecken ragen über fünf Meter in die Höhe und bilden Korridore von dichtem, tiefem Grün.
Sie erreichen das Labyrinth: sechstausend Buchsbäume, viele davon über vierhundert Jahre alt. Betreten Sie das Geflecht und folgen Sie seinem eineinhalb Kilometer langen Weg. Hier scheint die Zeit langsamer zu fließen. Sackgassen stehen sinnbildlich für die Unsicherheiten des Lebens, doch mit Geduld gelangen Sie zum zentralen Turm. Von oben betrachtet wirkt der zurückgelegte Weg klarer und einfacher. Unweit davon lädt die Grotte des Eremiten zu einem Moment der Stille und Besinnung ein.
Zwischen Immanenz und Transzendenz
Der Garten lebt vom Spiel der Gegensätze. Auf der einen Seite die Kanincheninsel, die mit ihrer greifbaren Präsenz an die Grenzen von Körper und Raum erinnert. Auf der Hauptachse erhebt sich die Statue der Zeit: Chronos, der geflügelte Riese, trägt ein Dodekaeder, dessen Flächen vom Sonnenlicht unterschiedlich erhellt werden – Sinnbild für den Lauf der Jahreszeiten und Jahre.
Entlang der Wege begegnen Sie Pflanzen, die einst monatelang den Atlantik überquerten. Die Kalifornische Zeder, 1665 nach der Umrundung der Magellanstraße hierhergebracht, steht noch heute – ein fast vierhundertjähriger Gigant, umgeben von uralten Eiben und weißen Magnolien.
Der Höhepunkt: Die Treppe des Sonetts
Der Weg endet an der Treppe des Sonetts. Sieben Marmorstufen, in die Verse eingraviert sind, laden dazu ein, weltliche Sorgen hinter sich zu lassen und in eine Dimension des Friedens einzutreten. Sie erreichen den Platz der Offenbarungen vor der Fassade der Villa. Zwischen den Statuen der Glückseligkeit und der Weisheit schließt der Pilzbrunnen den Kreis. Verweilen Sie einen Moment und beobachten Sie das fließende Wasser – und nehmen Sie ein Gefühl von Wohlbefinden mit sich, das bleibt, wie diese Steine und diese Bäume.